|
|
|
Der ‘Stratemakerstoren’ in Nimwegen
|
An der touristisch attraktiven Waalkade, in unmittelbarer Nähe des Historischen Valkhofes und des modernen Holland Casinos, liegt ein geheimnisvolles Bauwerk.
 Die unterirdischen Gängen, in denen Kanonen aufgestellt warenfoto: Nico van Hoorn
Museum De Stratemakerstoren
Waalkade 83 - 84 - 6511 XR Nijmegen
Holland
Informationen unter:
T 0031 24/323 86 90
Öffnungszeiten:
Di - Fr - 12.00 - 17.00
Sa - So - 13.00 - 17.00
Rundführungen auf Anfrage.
|
Zum Erstaunen vieler kam im Sommer 1987 unter einigen abgerissenen Häusern am östlichen Waalkai ein außergewöhnlicher Festungsturm zum Vorschein.
Allerdings wußte man um die Existenz dieses Turmes; er war nämlich schon früher zum Reichsdenkmal erklärt worden. Den unterirdischen Wehrgang hatte der damalige Besitzer zu verschiedenenartigen Zwecken genutzt, bis zum Abbruch der Häuser wußte jedoch niemand, wie der Turm genau aussieht. Selbstverständlich ist dieser auch auf zahlreichen Gemälden und Zeichnungen vom ‘Valkhof’ zu sehen, jedoch immer aus anderer Sicht. Kurz: Vieles ist noch unklar und soll näher erforscht werden.
Immerhin scheint festzustehen, daß der Turm ursprünglich ein Wallturm aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts war. Diese hohen Türme wurden nach der Erfindung der Kanonen zu verletzbar und deshalb niedriger gemacht und zu sogenannten Rondellen umgebaut, deren Inneres mit Sand ausgefüllt wurde. 1526 wird der ‘Stratemakerstoren’ erstmals in den Akten erwähnt, u. a. als ‘roendeel bij der Veerpoirten’. Heute ist auf der Valkhofseite das grobe Mauerwerk aus Mergelblöcken und Backstein im Klosterformat sichtbar. Man hat den Turm einem beträchtlichen „Faceliftung“ unterzogen, das notwendig war, um das Bauwerk vorläufig zu konservieren. Jahrhundertelang blieb sein Charme dem Auge unter Sand verborgen, doch jetzt kann man sehen, wie der Steinmetz oder aber der Bauarbeiter die Mergelblöcke mit Markierungen versah, um die Stelle zu kennzeichnen, an der die Blöcke angebracht werden sollten.
Es ist nicht sicher, wie der Turm zu seinem Namen kam. Anderswo im Land wurden Türme dieser Art wohl nach den Mitgliedern der jeweiligen Zunft benannt, die in Kriegszeiten die Bemannung für den Turm stellen sollte. Deshalb kann man mit geringem Vorbehalt davon ausgehen, daß in Nimwegen die ‘Stratemakersgilde’, die Zunft der Pflasterer also, die Verantwortung für dieses Rondell trug. Eine andere Erklärung wäre, daß ein oder mehrere Pflasterer den Turm in ruhigen Zeiten als Lagerraum benutzen durften.
Es ist nicht bekannt, ob dieses Rondell tatsächlich jemals während einer Belagerung benutzt wurde. Auch das Vorhandensein einer Pulverkammer ist nicht nachweisbar. Dagegen gibt es im verstärkten rechteckigen Mittelteil einen Raum mit einem Tonnengewölbe, der als Wasserbehälter gedient haben könnte. Wiederum stellt sich vieles als noch unklar heraus.
Im 18. Jahrhundert, nachdem die Franzosen ihr Unwesen in Nimwegen getrieben hatten, erteilte die Stadtverwaltung die Genehmigung, den Turm zu „überbauen“, also mit Neubaten zu bedecken. Zu diesem Zweck wird der Turm niedriger gemacht und auf der Waalseite ein Teil der enormen Außenmauer abgerissen, um Raum zu schaffen. Bis 1987 bleibt der Turm dann unsichtbar.
|
|
|
|